7. Januar 2026 | Impuls von Sabine Slawik

Impulsbeitrag „SCHULE STATT FABRIK - STERNSINGEN GEGEN KINDERARBEIT"
 Punkt 7 - 30 Minuten innehalten für die Nöte der Welt
7. Januar 2026, 19:00 Uhr
  Sabine Slawik
 

Die gerade zu Ende gegangene Sternsingeraktion und der SEGENSSPRUCH C + M + B (Christus mansionem benedicat - Christus segne dieses Haus) ist vielen von Ihnen noch in guter Erinnerung. Die Freude und Begeisterung unserer jungen Menschen aus den Pfarrgemeinden begeistert uns jedes Jahr aufs Neue. 
Und dennoch ist die Sternsingeraktion so viel mehr als wir gemeinhin damit verbinden. 
Dazu blicken wir ein wenig zurück in der Geschichte: bereits seit dem Mittelalter ziehen Kinder singend von Haus zu Haus, in Norwegen ist dies bereits ab 1563 belegt. Mit dem Beginn des Prostetantismus verloren hierzulande die Klosterschulen, besonders im Norden, Ihr Einkommen, da die Regierung klösterliche Landstriche und Güter in Besitz nahmen. So nutzten die Klosterschüler in der Not damals die Gelegenheit, mittels Sternsingen Spenden zu sammeln. 
Doch blicken wir nun auf das Vorbild für die nun bekannte Sternsingeraktion. 1846 erfuhr die 15jährige Auguste von Sartorius, die aus einer wohlhabenden und gläubigen Familie in Aachen stammte, vom Leid der Kinder in China und Afrika. Sie war dabei beeinflusst von der Gründerin eines Kindermissionswerks in Nancy. Dies hatte zur Folge, dass sie den Sacre Coeur Schwestern beitrat und für sie war sie in Frankreich, Belgien und in den USA tätig, stets international vernetzt und inspiriert, Kindern in Not zu helfen. 

1959 wir diese kath. Tradition vom Kindermissionswerk in Aachen und dem BDKJ, ganz im Sinne von Auguste von Sartorius, übernommen. Heute wird sie vor Ort oftmals ökumenisch und manches Mal auch protestantisch führend, stets in enger kath. Abstimmung, durchgeführt. Dabei beteiligen sich, je nach Ort und Pfarrgemeinde, Kinder aus ganz unterschiedlichen Nationen wie z.B. Ghana, dem Kongo, Nigeria, Vietnam, Italien, Griechenland, Polen, Russland, Syrien und natürlich der Großteil nach wie vor aus Deutschland. Dies führt eindrucksvoll vor Augen, die Sternsingeraktion ist für alle offen, international aufgestellt und hat zum Ziel, Kinder in Not weltweit zu unterstützen. Sie ist die größte Solidaritätsaktion in der kath. Kirche von Kindern für Kinder und wahrscheinlich auch darüber hinaus. Ein paar Zahlen verdeutlichen dies noch eindrücklich. Pro Jahr sind ca 300.000 Kinder in Deutschland unterwegs. Pro Jahr sammeln sie dabei ca. 45 Mio. Euro, 2025 waren es sogar 48,1 Mio und seit 1959 sind es 1,4 Mill. Euro. 
Die Arbeit des Kindermissionswerks konzentriert sich heute auf die Arbeit

  • mit Straßenkindern
  • arbeitenden Kindern
  • Angehörigen von ethnischen Minderheiten
  • Flüchtlingen und Kindern aus Kriegsgebieten
  • Kinder, die von KIV betroffen sind und
  • Opfer von Katastrophen

immer geleitet von einem ganzheitlichen Ansatz, der auf körperliche, geistige und seelische Bedürfnisse von Kindern eingeht.

2026 lautet das Motto der Aktion “Sternsingen gegen Kinderarbeit - Schule statt Fabrik”
Weltweit arbeiten 138 Mio Jungen und Mädchen zwischen fünf und 17 Jahren, 54 Mio davon unter besonders gesundheitsschädlichen und ausbeuterischen Bedingungen. Dabei ist Kinderarbeit kein Schicksal, sondern die Folge politischer und wirtschaftlicher Entscheidungen, so der Präsident des Kindermissionswerks im Vorfeld der Aktion. 
In Bangladesch, dem Beispielsland der Aktion 2026, sind zwischen 1,8 - 4 Mio. Kinder im Alter von fünf bis 17 Jahren betroffen und über 1 Mio. in gefährlichen Arbeitsstellen in Landwirtschaft, Fischerei, Metallfabriken und in der Textilindustrie unter ausbeuterischen Bedingungen und sehr niedrigen Löhnen, um ein Familieneinkommen zu gewährleisten. 

Ein paar Beispiele dazu:  
Als TAZIM zehn Jahre alt war, wurden seine Eltern krank. So musste er die Schule verlassen und arbeiten gehen. “Das war schwer für mich. Ich war immer müde, auch im Kopf”, sagt er. Zwei Jahre lang arbeitete Tazim in einer Fabrik, wo Schüsseln aus Aluminium hergestellt wurden. Er stand mit einem Kollegen an einer heißen, lauten Maschine. Für einen Tag Arbeit erhielt er 200 Taka, das sind weniger als 1,50€. 
NOUR lebt mit ihrer Mutter und ihrem kranken Opa zusammen. Als sie sechs Jahre alt war, konnte ihre Mutter nicht mehr arbeiten ujnd die Familie geriet in große Not, hatte beinahe nichts mehr zu essen. So musste Nour arbeiten gehen, obwohl es der Mutter beinahe das Herz brach. Sie arbeitete in einer Snackfabrik. Sie putzte, kehrte Kohle zusammen und füllte Päckchen für den Versand - zehn Stunden am Tag für weniger als 50 Cent. “Der Chef hat oft geschimpft. Ich hatte große Angst vor ihm”, erzählte Nour. Vier Jahre lang musste Nour das aushalten. Dann lernte sie Shelpi kennen, die bei einer Hilfsorganisation arbeitet. 
NAIMA arbeitet und lebt in einem fremden Haushalt. Sie macht dort sauber, wäscht und kocht. Ihre eigene Familie sieht sie nur einmal in der Woche. Für Ihre Arbeit erhält sie 4,40€ im Monat. Das Geld benötigt die Familie, um Medizin für den Großvater zu kaufen. 

Durch die Unterstützung der Hilfsorganisation ARKTF in Bangladesch werden Kinder aus der gefährlichen Arbeit in Fabriken und Werkstätten befreit. Das Team der Organisation redet mit den Chefs, Eltern und Politikern und erklärt, wie wichtig Kinderrechte sind und dass Kinder lernen, spielen und gesund groß werden sollen. Über 400 Kinder konnten dadurch zur Schule gehen, +ber 680 Jugendliche haben eine Ausbildung bekommen und mehr als 3000 Kinder haben bei Kursen, Beratungen und Spielen mitgemacht. Auch TAZIM, NOUR und NAIMA haben davon profitiert, können wieder zur Schule gehen und lernen. 

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