7. Februar 2026 | Impuls von Emma Mannocchi

Impulsbeitrag „Venezuela: Legitimer Einsatz für Demokratie oder Einmischung in innere Angelegenheiten"
 Punkt 7 - 30 Minuten innehalten für die Nöte der Welt
7. Februar 2026, 19:00 Uhr
  Emma Mannocchi

In der Nacht vom 2. auf den 3. Januar griff die US-Regierung unter Präsident Donald Trump militärisch in Venezuela ein und nahm Nicolás Maduro fest. Die Spannungen und Auseinandersetzungen zwischen diesen beiden Ländern haben ihre Wurzeln in den politischen und ökonomischen Beziehungen der letzten zwei Jahrzehnte. Venezuela ist ein Land, das reich an Bodenschätzen wie Erdöl, Gas, Gold, Kupfer, Coltan, Diamanten, Nickel und Eisenerz ist.

Ich erinnere mich an ein wunderschönes, offenes und freundliches Land, das für einen großen Teil meiner Familie zur Heimat geworden ist, sich jedoch durch viele Jahre autoritärer Politik grundlegend verändert hat und heute von Armut, Korruption, Aussichtslosigkeit und großen Ängsten bestimmt wird.

Alles hatte seinen Ursprung, als Hugo Chávez 1998 die Wahlen gewann, mit einem Wahlprogramm, in dem er versprach, die Armut zu reduzieren und die venezolanische Wirtschaft durch sozialistische Ansätze zu verbessern. Bis dahin waren die USA die größten Abnehmer venezolanischen Erdöls. Durch die Verstaatlichung der Erdölkonzerne unter Chávez wurden diese Beziehungen jedoch zunehmend brüchig.

Unter Chávez nahmen Korruption sowie eine konsequente Unterdrückung der Opposition zu. Trotz einer steigenden Inflation konnte Chávez die Wirtschaft dank seiner Beziehungen zu China und Russland aufrechterhalten, wobei beide Länder klare Vorteile durch den Import von Erdöl erhielten. Nach dem Tod von Chávez übernahm 2013 Nicolás Maduro nach umstrittenen Wahlen die Präsidentschaft. Während seiner Regierung kam es zu einer systematischen Entmachtung des Parlaments sowie zu einer starken und gewaltintensiven Repression der Opposition. Das Militär blieb beiden Diktatoren treu, wodurch ein Putschversuch sowie die Opposition systematisch zurückgewiesen werden konnten. Gleichzeitig nahm die Armut in der Bevölkerung stark zu, während es landesweit an Grundnahrungsmitteln, Medikamenten und Benzin mangelte. 

Die letzte Wiederwahl von Maduro war von Vorwürfen des Wahlbetrugs überschattet, und die Oppositionsführerin Machado wurde ins Exil gezwungen. Seit der erneuten Präsidentschaft von Donald Trump wuchsen die Spannungen zwischen den beiden Ländern stetig. 

Trump rechtfertigte seinen Angriff Anfang des Jahres als Kampf gegen den Drogenhandel, jedoch zeigte sich unmittelbar nach der Verhaftung Maduros sein Interesse am Erdöl. Aus Sicht internationaler Organisationen ist dieser Angriff völkerrechtswidrig, doch was denkt das venezolanische Volk? Mit großem Erstaunen und anfänglichem Misstrauen habe ich die Berichte meiner Freunde und Verwandten verfolgt: Sie sprachen von Befreiung und bezeichneten Trump als den Einzigen, der in der Lage sei, über 25 Jahre Diktatur zu beenden. Ehrlich gesagt war ich erschüttert und empört, wollte jedoch verstehen. Viktor, ein Freund, der in Wien lebt, sagte: „Vielleicht haben wir unsere Seelen dem Teufel verkauft, aber wir haben endlich wieder die Chance, ein neues Venezuela aufzubauen“, auch wenn ihm stets bewusst war, dass das Hauptinteresse dem Erdöl und den Bodenschätzen gilt, während zugleich viele Fragen offen bleiben und das Risiko einer erneuten Eskalation der Gewalt weiterhin besteht.

Dies ist die große offene Frage: Wie kann ein neues Venezuela aussehen? Die geschäftsführende Präsidentin Delcy Rodríguez versucht, eine US-freundliche Politik aufzubauen, doch was dies konkret bedeuten wird, ist für alle unklar. Einerseits wurde ein allgemeines Amnestiegesetz vorangetrieben, das den Zeitraum politischer Gewalt von 1999 bis heute abdeckt. Viele politische Gefangene wurden befreit, darunter auch zahlreiche europäische Aktivisten. Dennoch spricht der Präsident der venezolanischen katholischen Bischofskonferenz, Monsignore José Antonio Díaz Conceição Ferreira, von großen Unsicherheiten: Werden diese Veränderungen tatsächlich die erhofften Verbesserungen im Alltag der Menschen, wie Lebensmittel und Medikamente, für das Volk bringen?

Ich glaube nicht, dass der Versuch mit Gewalt einen Systemwechsel herbeizuführen und Demokratie zu exportieren der richtige Weg ist.  Doch, ich versuche, die Gefühle hinter der Not der Bevölkerung zu verstehen, die 20 Jahre Unterdrückung hervorgerufen haben. Ich hoffe, dass ein Neuanfang möglich ist, wie ein Appell der venezolanischen katholischen Bischöfe unterstreicht:
„Wir rufen das Volk Gottes dazu auf, die Hoffnung noch intensiver zu leben und für den Frieden in unseren Herzen und in der Gesellschaft zu beten. Wir lehnen jede Art von Gewalt ab. Mögen sich unsere Hände für Begegnung und gegenseitige Hilfe öffnen, und mögen Entscheidungen zum Wohle des Volkes getroffen werden.“