07.03.2026 Impuls von Waltrud Frapscha

Impulsbeitrag „Kommt, bringt eure Last"
 Punkt 7 - 30 Minuten innehalten für die Nöte der Welt
7. März 2026, 19:00 Uhr
  Waltraud Frapscha


Ein Gebet wandert 24 Stunden lang um den Erdball und verbindet Frauen in den Weltgebetstagsgottesdiensten in mehr als 150 Ländern miteinander – das ist die Idee des Weltgebetstages, der größten globalen Basisbewegung christlicher Frauen, der  alljährlich am ersten Freitag im März  stattfindet. Unter dem Motto „Informiert beten – betend handeln“ stellen sie ihre spirituelle Verbundenheit und weltweite Frauensolidarität unter Beweis.  Seit 1975 wurden mit den Kollekten und Spenden über 6000 Frauen- und Mädchenprojekte gefördert. 
Das diesjährige Motto lautet: „Kommt, bringt eure Last“ (Mt.11,28-30) und es geht dieses Jahr um das westafrikanische Land Nigeria.


Allgemeine Infos Nigeria
Bevölkerung: Nigeria ist mit über 230 Mio Menschen das bevölkerungsreichste Land Afrikas mit einer jüngsten Bevölkerung weltweit. Der Vielvölkerstaat hat 514 Sprachen und Dialekte. Auf dem UN-Index für menschliche Entwicklung belegt das Land aber nur Platz 161 von 193 – Armut, Gewalt und ethno-religiöse Konflikte sind weit verbreitet. Die Bevölkerung besteht aus 250 Ethnien und ist sehr jung, 43 % sind unter 15 Jahren und nur 3 % sind 65 Jahre alt oder älter. 
Religion: 46% Christen, 48% Muslime
Konflikte: Im Nordosten verüben islamistische Terrorgruppen wie Boko Haram schwere Anschläge mit vielen Todesopfern, im Südosten agieren bewaffnete Banden und Separatisten, überall gibt es Ressourcenkonflikte um Wasser und Land, die Menschen in die Flucht treiben, hinzu kommen vielfältige ethnische, religiöse und soziale Spannungen.
Wirtschaft: Knapp 88% der Exporteinnahmen stammten 2022 aus dem Verkauf von Rohöl sowie verarbeiteten Erdölprodukten und Erdgas. 
Umwelt: In rund 50 Jahren Ölförderung haben Millionen Tonnen Rohöl das Ökosystem des Nigerdeltas vielfach zerstört – darunter Gewässer für Fischerei und Landwirtschaft. Millionen Menschen sind betroffen, es gibt gewalttätige Ressourcenkonflikte. In einigen Regionen kommt es durch den Klimawandel vermehrt zu Überflutungen oder Dürren.
 

Die Last der Frauen und Mädchen in Nigeria:
Nigerianerinnen tragen viele Lasten – wortwörtlich auf dem Land das Feuerholz oder Wasser, aber auch im übertragenen Sinne. Für viele der rund 117 Millionen Frauen in Nigeria sind sexueller und emotionaler Missbrauch, häusliche Gewalt und Vergewaltigung, Kinderehen und Genitalverstümmelung bitterer Alltag. In Nigeria sind, laut Unicef rund 20 Prozent der Frauen genital verstümmelt. Damit liegt Nigeria weltweit an dritter Stelle.
Ein wichtiges Indiz für die Benachteiligung von Frauen ist auch die Alpahabetisierungsrate: nur rund 53 Prozent der Frauen und Mädchen können lesen und schreiben, bei den Männern sind es dagegen 71 Prozent
Die evangelische Theologin und gebürtige Berlinerin Anna Küster ist Pastorin in Nigeria und lebt dort seit 5 Jahren. Sie berichtete beim Online-Weltgebetstagsseminar des KDFB, dass viele Eltern nicht genug Geld haben, ihren Kindern eine Ausbildung zu finanzieren, oftmals bieten Verwandte an, das Kind zu sich zu nehmen, es gut zu ernähren und zur Schule zu schicken gegen etwas Hilfe im Haushalt. Meist sind es sehr junge Mädchen, manche gerade einmal sieben Jahre alt und häufig endet es in Kinderarbeit ohne Schulbesuch und schlimmstenfalls werden die Mädchen auch noch missbraucht. 
Anna Küster berichtete weiter: „Nigeria ist ein sehr religiös geprägtes Land. Hier wird, wie bei uns im Wahlkampf viel Plakatwerbung am Straßenrand für Gottesdienste und Gebetsversammlungen gemacht. Der Glaube ist sehr präsent und schenkt den Menschen die Kraft, ihre unterschiedlichen und schwierigen Lebenssituationen zu überstehen.“
In Nigeria garantiere das Gesetz Religion- und Glaubensfreiheit und doch gibt es religiöse Spannungen und Konflikte. Zudem verüben im Nordosten islamistische Terrorgruppen schwere Anschläge, sie machen keinen Unterschied zwischen christlichen und muslimischen Gemeinschaften. 2014 wurden von den bildungsfeindlichen Extremisten der Boko Haram 276 Schülerinnen zwischen 16-18 Jahren entführt, 2024 waren 82 dieser Mädchen immer noch nicht zurück bei ihren Familien. Auch im Herbst 2025 kam es wieder zu Entführungsfällen von Schul- und Internatsmädchen. Durch Terror und Gewalt sind inzwischen 31 Millionen Menschen innerhalb des Landes auf der Flucht. Einige versuchen auch den Weg nach Europa zu schaffen.
Weitere Angriffe und Konflikte hängen mit dem wirtschaftlichen Kampf um knappe Ressourcen, Wasser, Weideland, fruchtbarer Boden, wie z.B. in der nordwestlichen Hafenstadt Numan zusammen.  Davon sind besonders Kleinbäuerinnen betroffen, die ihre Felder und Weiden aus Angst vor Gewalt, auch sexueller Art nicht mehr bewirtschaften konnten. So verloren sie die Lebensgrundlage für sich und ihre Familien. Inzwischen sind die Konflikte in dieser Region weitgehend beigelegt worden mitunter auch durch ein vom Weltgebetstag gefördertes Projekt, das Werkzeug, Saatgut und Dünger bereit stellt, Frauen mit Kursen über ihre Rechte ermutigt und politische und gesellschaftliche Entscheidungsträger vor Ort für Gleichberechtigung sensibilisiert. 
Eine weitere WGT-Partnerorganisation  hat das Motto „den vergessenen Mädchen dienen“ und hilft Frauen nach Missbrauch und Gewalt beim Start in ein neues Leben, ebenso auch Waisen, Terroropfern, Vertriebenen und Menschen ohne Zugang zu Bildung. Frauen und Mädchen, die Opfer geschlechtsspezifischer Gewalt wurden, werden sicher untergebracht, erhalten medizinische Hilfe, juristischen Beistand und psychosoziale Unterstützung. 
Anna Küster meint, dass es sich in der politischen Landschaft Nigerias einerseits abzeichnet, dass es junge, dynamische Frauen gibt, die sich gerade die sozialen Medien zunutze machen, um ihre Meinung zu äußern und die Situation der Frauen zu verbessern und sie das Miteinander der Frauen als großes Geschenk erlebe, durch das sie auch viel gelernt habe, andererseits gerade der jüngeren Generation oftmals empfohlen wird, das Land zu verlassen, weil es in Nigeria keine Zukunft gäbe